50 YEARS EDAG
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Raumfahrer auf Abwegen

Um nach den Sternen zu greifen, muss er nicht ins All. Obwohl dies Jacek gut gefallen hätte. Als Kind träumte er davon, Astronaut zu werden. Auf dem Weg dorthin hatte er sich bereits intensiv mit der Astronomie beschäftigt und den nächtlichen Sternenhimmel mit dem Teleskop erkundet. „Physik und Technik haben mich schon immer interessiert. Als mir klar wurde, dass es mit der Astronautenkarriere nichts werden würde, habe ich mich entschlossen, Ingenieur zu werden“, erzählt Jacek.

Heute ist der 32-Jährige Projektleiter E/E Embedded Systems & AI bei EDAG an den Standorten Lindau und Ulm, wo insgesamt 40 Softwareentwickler primär an Software für selbstfahrende Autos tüfteln. „Das ist alles hoch komplex, denn die Fahrzeuge müssen lernen, ihre Umgebung zu erkennen, zu deuten und je nach Situation eine passende Entscheidung zu treffen. Hier eröffnet uns AI – oder auf Deutsch ‚Künstliche Intelligenz’, KI – ganz neue Horizonte“, sagt Jacek.

Feuerprobe bestanden

Dass er sich heute mit großer Begeisterung auf solche anspruchsvollen Aufgaben stürzt, hätte er sich noch vor einigen Jahren wohl kaum vorstellen können. „Als ich an der Hochschule Darmstadt mein Elektrotechnik-Studium begonnen hatte, war dies für mich ein Weg voller Hürden & Herausforderungen. Ich hatte das Studium komplett unterschätzt und brauchte erst einmal eine ganze Weile, bis ich begriffen hatte, wie das funktioniert und wie ich mich dafür zu organisieren hatte.“ Erst dann habe er seinen Weg gehen können und sich mit aller Leidenschaft in die Themen Elektronik, Energie und erneuerbare Energie gestürzt. „Mir gefielen die ganz unterschiedlichen Projekte, die um technologische Lösungen für Zukunft kreisten, und vor allem die Teamarbeit“, sagt Jacek. Dies sei für ihn die perfekte Vorbereitung auf die Aufgaben bei EDAG gewesen.

Mit Highspeed in den Job

Dass er nach dem Studium gleich in einem der heißesten E/E- und AI-Thinktanks landen würde, habe er auch nicht ansatzweise ahnen können. „Das war für mich so weit weg wie Astronaut zu werden. Irgendwo als Software-Entwickler anzufangen, schien mir schon wahrscheinlicher“, erinnert sich Jacek. Eine aussichtsreiche Bewerbung bei einem Unternehmen lief bereits, als mehrfach das Telefon bei ihm klingelte. Eine Nummer aus Ulm. „Ich erinnere mich noch genau. Es war Dienstag, der 9. September 2014. Viermal habe ich weggedrückt. Abends war ich dann aber doch neugierig und rief zurück“, erzählt Jacek. Am anderen Ende war Alexander, der begeistert davon erzählte, dass er gerade für EDAG die Abteilung E/E Embedded Systems aufbaue und dafür Leute suche.

„Zwei Tage später, am Donnerstag, war ich in Lindau zum Bewerbungsgespräch. Am Freitag, den 12., hatte ich den Vertrag und am Samstag, den 13. September 2014, stand ich schon mit meinem Koffer in Lindau. Meine Zukunft hatte begonnen – mit Höchstgeschwindigkeit auf der Überholspur“, berichtet Jacek.

Wie eine große WG

„Das war und ist alles total aufregend“, sagt er. „Wir haben vor vier Jahren zu Dritt in Lindau mit dem Aufbau des Teams angefangen und uns gleich in die Arbeit gestürzt. Heute sind wir zu Acht und wachsen wie ein Start-up immer weiter mit unseren Aufgaben.“ Gutes Teamplay ist Jacek, der seit 2016 Projektleiter ist, dabei besonders wichtig. „Dazu muss man ähnlich ticken und sich gut verstehen. Hier bei uns Lindau gelingt dies perfekt. Wir arbeiten ganz eng und vertrauensvoll zusammen. Das ist ein bisschen wie eine große WG. Ein Team um mich zu haben, das zusammensteht und mit all dem Enthusiasmus, Ausdauer und großer Fröhlichkeit gemeinsam herausfordernde Projekte angeht, freut mich immer wieder aufs Neue riesig. Da kann ich nur Danke sagen.“

Beobachten, führen, gewinnen

Dass er ein Team in einem Projekt führen, für die Sache begeistern und zu Gewinnern machen kann, hat Jacek schon an anderer Stelle ausgiebig bewiesen. Bevor es in den Beruf ging, hatte er in seiner Freizeit 15 Jahre als Tischtennistrainer gearbeitet und dabei dreimal die Woche bis zu 30 Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 18 Jahren trainiert. „Das macht einen entspannt im Umgang mit unterschiedlichen Temperamenten. Und Erfahrungen mit Stress und Wettkampfsituationen sind im Berufsalltag auch ganz praktisch“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Dabei komme ihm entgegen, dass er als begeisterter Hobby-Fotograf gelernt habe, Mensch und Natur erst einmal genau zu beobachten und zu verstehen, bevor er sich ein Bild davon mache und ins kreative Ausgestalten komme.

Engineering über bestehende Denkhorizonte hinaus

Seit 2017 verantwortet Jacek zusätzlich den Aufbau des Innovationsbereichs Künstliche Intelligenz. „Ich bin fest davon überzeugt, dass AI ein Zukunftsthema ist, bei dem wir den Anschluss keinesfalls verpassen sollten. In Gesprächen spüre ich immer wieder, dass die Erwartungen an AI extrem hoch sind, im Automotive- genauso wie im Industrie- und Medizin-Sektor“, sagt Jacek. Die Integration von Künstlicher Intelligenz in unterschiedlichste Technologie-Konzepte passe für ihn ganz hervorragend zu EDAG. „Das ist Engineering über den bestehenden Denkhorizont hinaus. Dies hat EDAG in 50 Jahren immer richtig gut verstanden.“

Nach den Sternen greifen

Aber so sehr Künstliche Intelligenz auch in aller Munde sei, so sehr schlage ihr – wie so oft bei umwälzenden Neuerungen – auch viel Skepsis entgegen. „Was bringt AI überhaupt, vor allem zu welchem Aufwand und welchen Kosten? Da müssen wir immer viel Grundlagen- und Überzeugungsarbeit leisten und mitunter auch zu Botschaftern im eigenen Unternehmen werden“, sagt Jacek und fügt gleich hinzu: „Ich finde es großartig, dass wir dabei im Unternehmen eigentlich immer auch auf ein offenes Ohr treffen – dann liegt es ‚nur’ noch an uns, mit unserem Wissen und unseren Ideen zu überzeugen. Nur wer die Sterne sieht, kann auch auf den Weg machen, um nach ihnen greifen.“ Ein bisschen was von einem Astronauten steckt eben doch noch in Jacek, dem Visionär mit dem Hang zum Machen.

Der Ironman

„Wie war’s gestern abend? Gut, ich war Schwimmen, Radfahren und Laufen“, sagt Nico und strahlt dabei übers ganze Gesicht. Drei Stunden sei er unterwegs gewesen. Geht’s nicht auch eine Nummer kleiner? Eine kurze Joggingrunde im Park, ein paar Liegestützen und dann Kino oder was Leckeres essen? „Da habe ich auch Spaß dran, aber für einen Triathlon wäre dies dann doch ein bisschen wenig Vorbereitung.“ Und wenn Nico von Triathlon spricht, dann von dem richtigen: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radeln und 42,2 Kilometer Laufen – am Stück. Und das am besten auf Hawaii, wo sich jedes Jahr die Besten der Besten beim Ironman treffen.

Fabelzeit auf dem Ali’i Drive

Im letzten Jahr ist Nico nach neun Stunden und neun Minuten ins Ziel auf dem legendären Ali’i Drive in Kona eingelaufen. Eine Fabelzeit für einen Hobbysportler. Platz 169 in der Gesamtwertung, eine Stunde 17 Minuten hinter seinem Landsmann, dem Profi Patrick Lange, der sich bei seinem zweiten Hawaii-Erfolg nach einem neuen Streckenrekord den Lorbeerkranz auf den Kopf setzen ließ.

Um derart eindrucksvoll in der Riege der Superathleten mithalten zu können, kommen für Nico zwölf bis 18 Stunden Training pro Woche zusammen – in der Freizeit wohlgemerkt. Denn anders als Patrick Lange, Jan Frodeno, Faris Al-Sultan & Co., die als Vollprofis ans Leistungslimit gehen, hat Nico neben dem Triathlon auch noch einen anspruchsvollen Job, und zwar in Vollzeit.

Gekommen, um zu bleiben

Blicken wir zurück. 2006 hatte Nico nach der Realschule im heimischen Sindelfingen eine Ausbildung bei EDAG zum Technischen Produktdesigner begonnen. Er ist gekommen, um zu bleiben. Heute ist er Projektkoordinator in der Fahrzeugkarosserieentwicklung und arbeitet mit seinem Team für Kunden wie Daimler an CAD-Konstruktionen. Im Fokus der EDAG-Konstrukteure in Sindelfingen sind Bauteile und Baugruppen für den Karosserierohbau.

„Ich war schon von klein auf sehr technikaffin, habe immer gerne gebastelt und geschraubt und baue mir bis heute meine Möbel selbst“, berichtet Nico. Auch den Umbau eines VW-Busses zum Sport- und Reisemobil habe er selbst in die Hand genommen. „Ich tüftle einfach gerne an eigenen Lösungen.“

Grenzen des Erwartbaren verschieben

Da liegt es nahe, dass er sich auch Teile für sein Triathlon-Fahrrad nach Möglichkeit maßanfertigt. Zuletzt habe er (nach dem Training!) im CAD eine Verpflegungsbox mit Fahrradhalterung konstruiert und im 3D-Druck passend für seine Bedürfnisse gebaut. „Dabei folge ich einfach nur meiner Neugier und der Lust, die Grenzen des Erwartbaren immer ein bisschen weiter zu verschieben“, stellt Nico fest. „Das gefällt mir auch so bei EDAG. In unseren Projekten geht es um die vielen ausgeklügelten Details. Wir beschäftigen uns mit anspruchsvollster Präzisionstechnik. Und das nicht etwa im Format einer Schweizer Uhr, sondern in der Größe eines Autos.“

Aber wie passen diese Begeisterung für den Job und die Leidenschaft für den Triathlon zusammen? Kann es überhaupt gelingen, auf allen Feldern top zu sein, ohne dass unterwegs irgendwo der im Marathon so gefürchtete „Mann mit dem Hammer“ zuschlägt? „Beim Triathlon gibt es wie in herausfordernden Projekten unterwegs immer die Phasen, in denen du dir die Frage stellst: Warum tust du dir das überhaupt an? Schaffst du es noch?“, weiß Nico aus eigener Erfahrung. „Solche negativen Gedanken bringen einen nicht weiter. Du musst dir vielmehr positive Ziele setzen und intensiv in dich reinhorchen, welche Kräfte du mobilisieren musst und wo du sie sinnvollerweise einteilst.“

Kein Leben nur im Tunnel

Triathleten sind Verrückte, die nichts anderes im Sinn haben als vor sich hin zu trainieren, perfektionistisch und fokussiert zu sein. Diesem verbreiteten Klischee mag Nico nicht entsprechen: „Ein Leben nur im Tunnel wäre nichts für mich. Mir geht es darum, bei meinem Sport Spaß zu haben. Die Limits setzt mir dabei mein Körpergefühl.“

Wenn in Projekthochphasen eine 50-Stunde-Woche anstehe, könne der Körper nicht gleichzeitig für hohe Belastungen im Sport bereit sein. „Da werde ich dann nichts erzwingen und schon gar nicht meine Gesundheit riskieren“, erklärt Nico. „Mir geht es grundsätzlich darum, meine Ziele spielerisch zu erreichen, mich dabei auch maximal zu fordern – allerdings immer nur im Rahmen der gerade gegebenen Möglichkeiten.“

Keine Lust auf Abhängigkeit

Deswegen mag er sich als Sportler auch nicht vermarkten lassen. „Professionelles Sponsoring interessiert mich nicht. Ich habe keine Lust, abhängig zu sein, sondern will immer die Freiheit haben, das zu tun, was ich möchte. Nämlich Sport machen, der mich erfüllt und eins werden lässt mit der Natur“, sagt Nico und klingt dabei sehr entschieden.

Und wo wir schon bei den Klischees sind: Triathleten sind nicht nur verrückt, sondern mehr noch: verrückte Einzelgänger, die an den Wechselstationen und im Zieleinlauf auch gern mal die Ellenbogen ausfahren. „Für mich geht es im Sport wie im Job immer um Teamplay“, hält Nico dagegen. „Auch individuelle Bestleistungen haben am Ende doch immer viele Väter und Mütter.“ Kürzlich sei er mit Freunden aus dem Sport in vier Tagen über die Alpen von Oberstdorf nach Meran gerannt. Mit nur zwei Kilo Gepäck im Rucksack. „Da muss man sich aufeinander verlassen können und jeder für die Gruppe Verantwortung übernehmen, alleine schafft man das nicht. Aus Rücksicht wächst die Kraft der Gemeinsamkeit. Und die kann Berge versetzen“, sagt Nico.

Von solchen Erfahrungen profitiert er auch in der Projektarbeit. „Nur gemeinsam kommen wir zum Erfolg. Das ist mein Mantra. Wenn jeder sein Bestes gibt, wird es was“, weiß Nico. „Wenn es wie bei der Alpenüberquerung beim Aufstieg auf den Pass mal schwierig wird, bringt es nichts, Druck aufzubauen, da müssen wir vielmehr gemeinsam eine Lösung finden, wie wir die Aufgabe meistern können. Daraufhin dann alles aus sich herauszuholen, macht Spaß und bringt große Erfüllung.“ Im Ziel, das wisse er als „Ironman“, werden die Strapazen belohnt. Selbst wenn man nicht ganz oben auf dem Treppchen stehe.

Ein Ausbilder, der rockt

Wenn’s richtig vibriert, ihm der Wind um die Nase weht und die Welt an ihm vorbeifliegt, ist Dirk ganz in seinem Element: Rock’n Roll in der Rhön. Dass er nach dem Cruisen bei seiner alten Softtail Harley Davidson erst einmal die eine oder andere Schraube nachziehen muss, stört ihn nicht weiter. Im Gegenteil. Dirk ist ein Schrauber aus Leidenschaft. „Es gibt wohl kaum ein Teil bei meiner Maschine, das ich in den letzten 12 Jahren nicht angefasst hätte“, sagt er. „Weil’s Spaß macht.“ Und weil er zutiefst davon überzeugt ist, dass beim Motorradfahren Hubraum durch nichts zu ersetzen ist „außer durch mehr Hubraum“, hat seine 1.340 Kubik-Harley gleich mal zu einer 2-Liter-Maschine gemacht. Damit cruist er, so oft es geht, über die Panaroma-Routen der Rhön. Bei schönem Wetter, am liebsten im fünften Gang und in aller Gemütsruhe.

Immer Vollgas

Dirk liebt es nicht nur bei seinem Bike, technischen Dingen auf den Grund zu gehen. Und zwar solange, bis er alles wirklich bis ins letzte Detail versteht. Das hatte ihn vor bald 38 Jahren zu EDAG gebracht, wo er eine Ausbildung zum Technischen Zeichner begann. „Mit weniger als 100 Mitarbeitern war das damals noch alles sehr überschaubar und familiär“, erinnert er sich. „Familiär sogar im doppelten Sinne“, fügt er hinzu, „entfernter Verwandter Horst Eckart hatte das Unternehmen gegründet.“ Nicht dass er wegen der verwandtschaftlichen Beziehung eine etwas „ruhigere Kugel“ hätte schieben können. Im Gegenteil. „Wir haben alle richtig viel gearbeitet. Unsere Termine konnten wir immer einhalten. Wenn’s sein musste auch mal mit Nachtschichten“, sagt er. Dabei klingt ein bisschen Stolz mit. „Und wie wir gearbeitet haben, so haben wir dann aber auch gefeiert. Immer mit Vollgas“, fügt er lachend hinzu.

Die Neugier und die Lust am aktiven Gestalten und Schaffen, hat Dirk von seiner Arbeit am Reißbrett später in die Wissens- und Erfahrungsvermittlung für die Auszubildenden übertragen. Bei EDAG PS gehörte er zu den ersten, die ein eigenes Ausbildungskonzept für das Unternehmen entwarfen und dies im Unterricht und Azubi-Coaching umsetzten. Es ging um Konstruktionslehre, Technische Kommunikation und alle Fertigkeiten rund ums CAD-Konstruieren.

Von 6 auf 152

„Mit sechs Azubis hat es damals bei der EDAG PS begonnen, heute sind es 152 Auszubildende und dual Studierende. Es begeistert mich zu sehen, wie sich die jungen Leute entwickeln und was aus ihnen wird“, sagt der Ausbilder. Es gebe dabei immer die „Selbstläufer“, die ihre Ausbildung mit großer Leichtigkeit absolvierten, andere hingegen bräuchten etwas Unterstützung. „Wenn jemand die Ausbildung abbricht, berührt mich das persönlich“, sagt Dirk mit einem Augenzwinkern. Ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis zu seinen Azubis und Studierenden ist ihm ein echtes Herzensanliegen. „Dass auf dem Ausbildungsweg nicht allen alles in den Schoß fällt, ist doch logisch. Da unterstütze ich gerne, wo ich kann. Ich bin schließlich selbst mal jung gewesen, war nie ein Streber und kenne all die Höhen und Tiefen auf einem Ausbildungsweg.“

Deswegen kommt es für ihn auch überhaupt nicht infrage, als Oberlehrer und Besserwisser in Erscheinung zu treten. „Mir ist der persönliche Kontakt wichtig. Ich setze Vertrauen in meine Azubis und Studenten und umgekehrt können sie sich auf mich verlassen und sich mir anvertrauen, wenn die Dinge einmal nicht so laufen, wie geplant.“ Das sei wie in einer Familie, erklärt der Vater von zwei erwachsenen Kindern.

Stolz an der Wall of Fame

Im Erdgeschoss des EDAG-Schulungs- und Seminargebäudes ist die Wand im langen Flur gepflastert mit Auszeichnungen. Die IHK, Hochschulen und andere Bildungsinstitutionen attestieren an dieser Wall of Fame den EDAG-Absolventen Top-Leistungen. „Das freut mich sehr und macht uns alle hier ein bisschen stolz“, sagt Dirk. Das heiße aber nicht, dass hier nur die absoluten Überflieger gefragt seien. „Ich freue mich über jeden, der die Abschlussprüfung mit ‚gut’ abschließt. Dann haben wir schon alles erreicht. Wenn’s dann ein ‚sehr gut’ mit Auszeichnung wird, umso besser. Da hat keiner was dagegen.“

Nur nicht überfluten lassen

„Wir haben einen super Nachwuchs, der motiviert ist, lernen will und Lust auf das Mitgestalten der Zukunft hat.“ Die Generation Z, also die um die Jahrtausendwende geborenen jungen Erwachsenen von heute, stünde allerdings auch vor ganz anderen Herausforderungen als vorangegangene Generationen. „Unsere Azubis sind mit dem Internet, mit Smartphone, Vernetzung und der permanenten Online-Verfügbarkeit nicht nur ihrer Community, sondern auch des ganzen Wissens der Welt groß geworden. Es ist ein Riesenvorteil, die Digitalisierung gewissermaßen mit der Muttermilch aufgesogen zu haben. Andererseits gehen die Digital Natives in der ganzen Flut an Informationen förmlich unter“, stellt Dirk fest.

Auf die Basics kommt es an

Es reiche beispielsweise nicht aus, dass die Generation Z sehr genau Bescheid wisse, wie sie neueste Erkenntnisse schnell mal „googlen“ oder sich über ein Youtube-Tutorial schlau machen könne. „Ein paar grundlegende Dinge musst du einfach intus haben: Mathematische Grundkenntnisse wie Kopfrechnen oder einen Dreisatz, Sicherheit im Umgang mit der deutschen Sprache oder gute Manieren und einen achtsamen und wertschätzenden Umgang mit Menschen in der eigenen Umgebung“, sagt Dirk. Dass am Gymnasium jetzt teilweise wieder das G9 an die Stelle des G8 rücke, ginge dabei in die richtige Richtung.

Er wundere sich über manche „durchaus vermeidbare Fehlentwicklung“ im Bildungssystem, schaue aber weiter optimistisch auf seine Schützlinge. Im vergangenen September habe EDAG PS für ein Wochenende alle seine neuen Azubis und Studierenden zu einem „Education Tuning“ nach Fulda geholt. In der Jugendherberge Gersfeld gab es Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen und zum lockeren Gespräch mit dem Geschäftsführer der EDAG PS. „Das kam super bei den Teilnehmern an“, sagt Dirk. Am Abend hätte er eigentlich erwartet, dass sich alle mit ihren Handys zurückziehen und die Lage im Netz checken. „Die haben Gesellschaftsspiele ausgepackt und bis weit nach Mitternacht höchsten Spaß miteinander gehabt. Ganz analog“, berichtet der Ausbilder. „Ich bin absolut sicher, dass unsere Auszubildenden noch für ganz andere Überraschungen gut sind. Um ihre Zukunft ist mir nicht bange.“

Der Ringer in der Big-Data-Arena

Esmaeil ist die Ruhe selbst. Ein netter Zeitgenosse. Zurückhaltend und ausgesprochen höflich. Kaum vorstellbar, dass er einen jederzeit mit ein paar blitzartigen Hand- und Fußbewegungen aufs Kreuz legen könnte. Esmaeil ist in Kermānschāh groß geworden, einer Millionenstadt im Nordwesten des Iran, wo mit die besten Ringer der Welt herkommen. „Zehn Jahre habe ich Griechisch-Römisch trainiert, Seite an Seite mit ganz Großen dieses Sports“, sagt Esmaeil. „Aber das ist lange her.“ Mindestens genauso wichtig wie der Kampf Mann gegen Mann auf der Matte sei ihm schon immer das Ringen mit den Zahlen und Algorithmen gewesen.

Von der Bank in den Hörsaal

In Kermanshah und Teheran studierte Esmaeil Software Engineering und machte 2005 seinen Abschluss als Master of IT-Engineering. Elf Jahre arbeitete er danach in einer Bank, bis er sich 2016 entschied, akademisch weiterzumachen und in Deutschland zu promovieren. Ausgestattet mit einer Blue Card zog er mit Frau und Kind nach Nordrhein-Westfalen, um an der Uni Siegen, einer interdisziplinär ausgerichteten Forschungsuniversität, seine Doktorarbeit zu schreiben. „Endlich wieder eine neue, große Herausforderung“, freute er sich.

„Doch die Arbeit ist ein bisschen ins Stocken geraten, seit ich 2017 bei EDAG PS angefangen habe“, sagt er und scheint darüber aber nicht wirklich unglücklich zu sein. „Ich bin ein echter Autofan und will nicht nur im stillen Kämmerlein vor mich hinforschen, sondern auch praktisch für die Industrie arbeiten und im Team neue Ideen verwirklichen“, beschreibt er sein Dilemma. Umso mehr freue er sich, dass sein Professor ihm großes Verständnis entgegenbracht und signalisiert hätte, dass ihm der akademische Weg weiter offenstehe. Auch nebenberuflich.

Ein Schreck namens München

Als er sich bei EDAG bewarb, hatte er insgeheim damit gerechnet, nach Fulda zu kommen. Das war nicht so weit weg von seiner Doktorarbeit in Siegen und schien ihm zudem auch übersichtlich genug, um dort schnell mit der Familie heimisch zu werden. „Als es dann aber hieß, ich solle nicht in Fulda, sondern gleich als Data Scientist bei EDAG PS in Garching bei München anfangen, ist mir dann doch ein bisschen blümerant geworden. München klang irgendwie für mich zu groß, zu teuer und zu weit weg.“ Doch das habe sich nicht bewahrheitet. „Zum Glück“, freut er sich.

„Im Production IT-Department von EDAG-PS schauen wir nur nach vorn und halten den Fuß immer auf dem Gaspedal“, stellt Esmaeil fest. Besonders fasziniere ihn, über Datenverarbeitung die Automatisierung in der Produktion und in den Prozessen weiterzuentwickeln. „Darin steckt viel Potenzial für die Zukunft“, ist er überzeugt.

Perfektionistenweisheit: wenn schon, dann richtig

Leicht macht er es sich deswegen aber nicht. Denn Esmaeil ist Perfektionist. „Wenn ich etwas mache, dann richtig“, sagt er. Deswegen spiele er auch nicht mehr wie früher die Tanbur, die im Orient verbreitete Langhalslaute. „Dazu müsste ich einfach viel mehr Zeit zum Üben haben. Und Mitspieler habe ich gerade auch nicht.“

Seinen ganzen Ehrgeiz steckt er da schon lieber in seine Arbeit. Als Data Scientist in der automotive Technologieentwicklung sieht er sich vor großen Herausforderungen. Im Zeitalter der Digitalisierung und computergesteuerter Produktionen und Prozesse ändere sich alle sechs Monate fast alles. „Wir sind deswegen in der IT permanent gefordert, uns immer auf den neuesten Stand zu bringen und unsere Systeme und Ressourcen zu checken. Das ist wie im Ringkampf. Du musst immer hellwach und reaktionsschnell sein. Wer schläft, hat schon verloren.“

Wer schläft verliert

Die Regel sei für Data Scientists dabei ganz einfach: Was du noch nicht weißt, musst du so schnell wie möglich lernen. „Dieses ‚Naturgesetz’ der digitalen Transformation ist überlebenswichtig.“ Der Sportler in ihm finde diese Herausforderung super. „Wir sind hier in Garching ein tolles Team, bei dem Software-Entwickler und Data Scientists Hand in Hand mit Ingenieuren und Technikern zusammenarbeiten. „Alles ist immer interdisziplinär mit Blick über den eigenen Tellerrand.“ Darin sieht er auch die große Stärke bei EDAG. „Wir haben alle Skills im eigenen Haus oder in den verschiedenen Firmenteilen. Deswegen können wir auch unheimlich schnell und umsetzungsstark agieren.“

Auf diese Weise parallel an unterschiedlichen Projekten zu arbeiten, ist für Esmaeil kein Problem. „Im Gegenteil. Ich mag das sehr.“ Deswegen beteiligt er sich in seiner Freizeit gerne auch einmal an Hackathons. Dazu laden Firmen der unterschiedlichsten Branchen jeweils 100 und mehr IT-Spezialisten aus allen Himmelsrichtungen ein, gemeinsam in einem spielerischen Design-Sprint-Event unter hohem Zeitdruck in 48 Stunden kollaborativ eine Software- oder Hardware-Lösung für ein Problem zu finden. Viermal hat Esmaeil schon bei einem Hackathon mitgemacht und mit einem EDAG Team zweimal Platz eins und einmal Platz drei belegt.

Da war doch noch was

Nur in einem Wettkampf, das weiß der Perfektionist, müsste er eigentlich noch mehr trainieren. Das werde ihm zuhause immer wieder vor Augen geführt. „Meine Tochter spricht drei Sprachen, Kurdisch, Persisch und Deutsch. Alle perfekt. Und gerne auch mal alle durcheinander“, sagt Esmaeil. Das erinnere ihn immer wieder daran, dass er seine eigenen Deutschkenntnisse eigentlich noch weiter aufpolieren müsste. Allerdings fehle ihm dazu etwas der Leidensdruck, weil in der IT-Szene ohnehin meist nur in Englisch kommuniziert würde. Doch ein Problem zu lösen, indem er ihm aus dem Weg geht, kommt für den ehrgeizigen Esmaeil dann doch nicht infrage. „Ich bin beim Goethe-Institut für den Sprachkurs eingeschrieben. Auch wenn die verflixte Grammatik wirklich schwer ist. Das schaffe ich schon.“ Na klar. Für Esmaeil, den Ringer, gilt auch bei den alltäglichen Herausforderungen des Lebens: Angriff ist die beste Verteidigung.

Der Superbiker

Es war sein großes Vorbild, das ihn schon früh auf die Überholspur gebracht hatte. Filips Vater Richard hatte es in seinen jungen Jahren selbst immer eilig gehabt, war aktiver Radrennfahrer und Skilangläufer. Nicht so einer von der gemütlichen Art, sondern ein waschechter Doppelweltmeister bei den „Masters“ über 15 Kilometer klassisch und in der Staffel. Und zudem noch Europameister auf Rollski, die er selbst gebaut hatte.

Der kleine Filip wurde in Raubling im Landkreis Rosenheim im elterlichen Sportgeschäft groß. Kein Wunder, dass da der eigene sportliche Traum auf einen geradezu idealen Nährboden traf. „Mit 12 habe ich mir von meinem Ersparten eine 125er-Enduro gekauft und bin damit heimlich auf einer nahegelegenen Panzerwiese rumgesaust“, erinnert er sich. Als er dann mit 16 endlich den Führerschein machen konnte, meinte der Fahrlehrer zu seinem Vater: „Der Bua gehört auf die Rennstrecke.“

Der Fahrlehrer sollte recht behalten

Da hatte der Fahrerlehrer offenkundig ein gutes Gespür gehabt. Auch wenn sich Filip bereits als alpiner Skirennläufer, BMX Racer, Skilangläufer- und Radsportler erfolgreich ausprobieren konnte, habe er doch immer vom Motorradrennfahren geträumt. „Über meine Ausbildung zum Zweiradmechaniker bin ich immer tiefer in die Motorradwelt eingetaucht. Das hat mich nicht mehr losgelassen“, erklärt Filip.

Das habe auch der Vater gespürt. Er meldete den „Bua“ kurzerhand zu einer Sichtung bei RedBull an. „Da saß ich zum ersten Mal auf einem Straßenmotorrad. Ein super Gefühl“, sagt Filip. Und startete durch. Von den etwa 700 Teilnehmern seien etwa 15 genommen worden, die dann im RedBull Rookies Cup des ADAC starten durften. „Das war für mich das Allergrößte, auch wenn’s mich gleich beim ersten Rennen gescheit hingehauen hatte und mir der Schädel nach einer Gehirnerschütterung ordentlich brummte.“ Doch das war ihm egal. Nach einem Jahr war er zweitbester Neueinsteiger in dieser Rennserie.

Nur Mutter machte sich Sorgen

Vater Richard war begeistert, seine Mutter hingegen deutlich weniger euphorisch: „Es gibt doch so schöne Dinge die du in deiner Freizeit tun kannst: ein bisschen Sport, Kochen oder Musikmachen“, habe sie gemeint. Aber am Ende hätte sie dann doch seine Entscheidung fürs Motorradfahren zwar nicht befürwortet, aber doch akzeptiert.

Dass Rennfahren immer auch gefährlich ist, weiß Filip. „Ich kann die Risiken aber sehr gut einschätzen und kenne meine Grenzen.“ Seine bislang schwerste Verletzung, einen Oberschenkelhalsbruch, habe er sich deswegen 2016 nicht auf der Rennstrecke, sondern beim BMX-Fahren zugezogen. „Dumm gelaufen“, sagt er und zuckt mit den Schultern. In der Folge habe er eine künstliche Hüfte bekommen, könne damit aber wieder ohne Einschränkungen Motorradfahren.

Mit Vollgas auf der Siegerstraße

Seine Rennsport-Karriere führte Filip so über den YAMAHA Cup, wo er auf einer R6 2008 die Gesamtwertung gewann, bis in die 1000er-Superbike-Klasse, in der er mit seinem BMW-Team GERT 56 antrat. Die Erfolge ließen nicht auf sich warten: Sieg beim Deutschen Meisterschaftslauf 2011 mit Streckenrekord am Salzburgring oder der Klassensieg in der Open Kategorie beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans.

Neben den Rennen hat Filip immer auch in seinem Beruf Vollgas gegeben. Unter anderem auf der Meisterschule für Motorrad und Fahrradmechaniker. „Das macht man neben dem Rennsport nicht mal eben mit links“, hätten ihn Freunde gewarnt. „I scho“, habe Filip ihnen geantwortet. „I bin Linkshänder.“ Den Meisterbrief hat er längst in der Tasche.

Erfahrung, die wie gerufen kommt

In seiner Superbike-Zeit hatte Filip Marc kennengelernt. Dieser leitet seit 2012 das stetig wachsende Entwicklerteam, das sich bei EDAG um das Thema Motorrad kümmert. Da kamen ihm 2017 die ganze Erfahrung und das technischen Know-how von Filip wie gerufen. Gerade wenn es um neueste Entwicklungen für BMW geht.

„Wir arbeiten zur Zeit mit Hochdruck an Bremsen und Regelsystemen“, berichtet Filip. Das heißt für den Racer neben der Arbeit im Office und in den Entwicklungslabors vor allem viel aktives Testen: „Wir wollen auf den Teststrecken herausfinden, wie es um das ABS und das Traktionsverhalten auf unterschiedlichen Untergründen bestellt ist. Es geht schließlich um die Sicherheit und Robustheit unserer Systeme.“

Ein Coach, der aufs WM-Podest rast

Eigentlich hatte Filip schon mit seiner aktiven Rennkarriere abgeschlossen. An der Strecke wollte er nur noch als Riding Coach unterwegs sein. Mit dem German Endurance Racing Team ging er so zuletzt bei der Langstrecken-Weltmeisterschaft in der Superstock-Wertung an den Start. Doch dann verletzte sich mitten im Rennen einer der drei Fahrer an der Hand. Filip musste einspringen und fuhr das Team prompt aufs Podest. „Langstreckensport ist Mannschaftssport“, sagt Filip. „Da geht es nicht nur darum, den Fahrer anzuhimmeln und nach acht Stunden gemütlich nach Hause zu gehen. Im Team muss man bei einem 24-Stunden-Rennen einfach durchziehen. Dabei sind alle gleich wichtig bis hin zum Koch. Und wenn ich fit bin, dann fahre ich eben auch. Es geht schließlich um unser aller Erfolg.“ Dies sei für Filip allerdings alles andere als eine Zumutung, „sondern purer Genuss“.

Jacek

Projektleiter
E/E Embedded Systems & AI

Raumfahrer auf Abwegen

Bei EDAG: seit 2014

Raumfahrer auf Abwegen

Um nach den Sternen zu greifen, muss er nicht ins All. Obwohl dies Jacek gut gefallen hätte. Als Kind träumte er davon, Astronaut zu werden. Auf dem Weg dorthin hatte er sich bereits intensiv mit der Astronomie beschäftigt und den nächtlichen Sternenhimmel mit dem Teleskop erkundet. „Physik und Technik haben mich schon immer interessiert. Als mir klar wurde, dass es mit der Astronautenkarriere nichts werden würde, habe ich mich entschlossen, Ingenieur zu werden“, erzählt Jacek.

Heute ist der 32-Jährige Projektleiter E/E Embedded Systems & AI bei EDAG an den Standorten Lindau und Ulm, wo insgesamt 40 Softwareentwickler primär an Software für selbstfahrende Autos tüfteln. „Das ist alles hoch komplex, denn die Fahrzeuge müssen lernen, ihre Umgebung zu erkennen, zu deuten und je nach Situation eine passende Entscheidung zu treffen. Hier eröffnet uns AI – oder auf Deutsch ‚Künstliche Intelligenz’, KI – ganz neue Horizonte“, sagt Jacek.

Feuerprobe bestanden

Dass er sich heute mit großer Begeisterung auf solche anspruchsvollen Aufgaben stürzt, hätte er sich noch vor einigen Jahren wohl kaum vorstellen können. „Als ich an der Hochschule Darmstadt mein Elektrotechnik-Studium begonnen hatte, war dies für mich ein Weg voller Hürden & Herausforderungen. Ich hatte das Studium komplett unterschätzt und brauchte erst einmal eine ganze Weile, bis ich begriffen hatte, wie das funktioniert und wie ich mich dafür zu organisieren hatte.“ Erst dann habe er seinen Weg gehen können und sich mit aller Leidenschaft in die Themen Elektronik, Energie und erneuerbare Energie gestürzt. „Mir gefielen die ganz unterschiedlichen Projekte, die um technologische Lösungen für Zukunft kreisten, und vor allem die Teamarbeit“, sagt Jacek. Dies sei für ihn die perfekte Vorbereitung auf die Aufgaben bei EDAG gewesen.

Mit Highspeed in den Job

Dass er nach dem Studium gleich in einem der heißesten E/E- und AI-Thinktanks landen würde, habe er auch nicht ansatzweise ahnen können. „Das war für mich so weit weg wie Astronaut zu werden. Irgendwo als Software-Entwickler anzufangen, schien mir schon wahrscheinlicher“, erinnert sich Jacek. Eine aussichtsreiche Bewerbung bei einem Unternehmen lief bereits, als mehrfach das Telefon bei ihm klingelte. Eine Nummer aus Ulm. „Ich erinnere mich noch genau. Es war Dienstag, der 9. September 2014. Viermal habe ich weggedrückt. Abends war ich dann aber doch neugierig und rief zurück“, erzählt Jacek. Am anderen Ende war Alexander, der begeistert davon erzählte, dass er gerade für EDAG die Abteilung E/E Embedded Systems aufbaue und dafür Leute suche.

„Zwei Tage später, am Donnerstag, war ich in Lindau zum Bewerbungsgespräch. Am Freitag, den 12., hatte ich den Vertrag und am Samstag, den 13. September 2014, stand ich schon mit meinem Koffer in Lindau. Meine Zukunft hatte begonnen – mit Höchstgeschwindigkeit auf der Überholspur“, berichtet Jacek.

Wie eine große WG

„Das war und ist alles total aufregend“, sagt er. „Wir haben vor vier Jahren zu Dritt in Lindau mit dem Aufbau des Teams angefangen und uns gleich in die Arbeit gestürzt. Heute sind wir zu Acht und wachsen wie ein Start-up immer weiter mit unseren Aufgaben.“ Gutes Teamplay ist Jacek, der seit 2016 Projektleiter ist, dabei besonders wichtig. „Dazu muss man ähnlich ticken und sich gut verstehen. Hier bei uns Lindau gelingt dies perfekt. Wir arbeiten ganz eng und vertrauensvoll zusammen. Das ist ein bisschen wie eine große WG. Ein Team um mich zu haben, das zusammensteht und mit all dem Enthusiasmus, Ausdauer und großer Fröhlichkeit gemeinsam herausfordernde Projekte angeht, freut mich immer wieder aufs Neue riesig. Da kann ich nur Danke sagen.“

Beobachten, führen, gewinnen

Dass er ein Team in einem Projekt führen, für die Sache begeistern und zu Gewinnern machen kann, hat Jacek schon an anderer Stelle ausgiebig bewiesen. Bevor es in den Beruf ging, hatte er in seiner Freizeit 15 Jahre als Tischtennistrainer gearbeitet und dabei dreimal die Woche bis zu 30 Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 18 Jahren trainiert. „Das macht einen entspannt im Umgang mit unterschiedlichen Temperamenten. Und Erfahrungen mit Stress und Wettkampfsituationen sind im Berufsalltag auch ganz praktisch“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Dabei komme ihm entgegen, dass er als begeisterter Hobby-Fotograf gelernt habe, Mensch und Natur erst einmal genau zu beobachten und zu verstehen, bevor er sich ein Bild davon mache und ins kreative Ausgestalten komme.

Engineering über bestehende Denkhorizonte hinaus

Seit 2017 verantwortet Jacek zusätzlich den Aufbau des Innovationsbereichs Künstliche Intelligenz. „Ich bin fest davon überzeugt, dass AI ein Zukunftsthema ist, bei dem wir den Anschluss keinesfalls verpassen sollten. In Gesprächen spüre ich immer wieder, dass die Erwartungen an AI extrem hoch sind, im Automotive- genauso wie im Industrie- und Medizin-Sektor“, sagt Jacek. Die Integration von Künstlicher Intelligenz in unterschiedlichste Technologie-Konzepte passe für ihn ganz hervorragend zu EDAG. „Das ist Engineering über den bestehenden Denkhorizont hinaus. Dies hat EDAG in 50 Jahren immer richtig gut verstanden.“

Nach den Sternen greifen

Aber so sehr Künstliche Intelligenz auch in aller Munde sei, so sehr schlage ihr – wie so oft bei umwälzenden Neuerungen – auch viel Skepsis entgegen. „Was bringt AI überhaupt, vor allem zu welchem Aufwand und welchen Kosten? Da müssen wir immer viel Grundlagen- und Überzeugungsarbeit leisten und mitunter auch zu Botschaftern im eigenen Unternehmen werden“, sagt Jacek und fügt gleich hinzu: „Ich finde es großartig, dass wir dabei im Unternehmen eigentlich immer auch auf ein offenes Ohr treffen – dann liegt es ‚nur’ noch an uns, mit unserem Wissen und unseren Ideen zu überzeugen. Nur wer die Sterne sieht, kann auch auf den Weg machen, um nach ihnen greifen.“ Ein bisschen was von einem Astronauten steckt eben doch noch in Jacek, dem Visionär mit dem Hang zum Machen.

Nico

Projektkoordinator
Karosserieentwicklung

Der Ironman

Bei EDAG: seit 2006

Der Ironman

„Wie war’s gestern abend? Gut, ich war Schwimmen, Radfahren und Laufen“, sagt Nico und strahlt dabei übers ganze Gesicht. Drei Stunden sei er unterwegs gewesen. Geht’s nicht auch eine Nummer kleiner? Eine kurze Joggingrunde im Park, ein paar Liegestützen und dann Kino oder was Leckeres essen? „Da habe ich auch Spaß dran, aber für einen Triathlon wäre dies dann doch ein bisschen wenig Vorbereitung.“ Und wenn Nico von Triathlon spricht, dann von dem richtigen: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radeln und 42,2 Kilometer Laufen – am Stück. Und das am besten auf Hawaii, wo sich jedes Jahr die Besten der Besten beim Ironman treffen.

Fabelzeit auf dem Ali’i Drive

Im letzten Jahr ist Nico nach neun Stunden und neun Minuten ins Ziel auf dem legendären Ali’i Drive in Kona eingelaufen. Eine Fabelzeit für einen Hobbysportler. Platz 169 in der Gesamtwertung, eine Stunde 17 Minuten hinter seinem Landsmann, dem Profi Patrick Lange, der sich bei seinem zweiten Hawaii-Erfolg nach einem neuen Streckenrekord den Lorbeerkranz auf den Kopf setzen ließ.

Um derart eindrucksvoll in der Riege der Superathleten mithalten zu können, kommen für Nico zwölf bis 18 Stunden Training pro Woche zusammen – in der Freizeit wohlgemerkt. Denn anders als Patrick Lange, Jan Frodeno, Faris Al-Sultan & Co., die als Vollprofis ans Leistungslimit gehen, hat Nico neben dem Triathlon auch noch einen anspruchsvollen Job, und zwar in Vollzeit.

Gekommen, um zu bleiben

Blicken wir zurück. 2006 hatte Nico nach der Realschule im heimischen Sindelfingen eine Ausbildung bei EDAG zum Technischen Produktdesigner begonnen. Er ist gekommen, um zu bleiben. Heute ist er Projektkoordinator in der Fahrzeugkarosserieentwicklung und arbeitet mit seinem Team für Kunden wie Daimler an CAD-Konstruktionen. Im Fokus der EDAG-Konstrukteure in Sindelfingen sind Bauteile und Baugruppen für den Karosserierohbau.

„Ich war schon von klein auf sehr technikaffin, habe immer gerne gebastelt und geschraubt und baue mir bis heute meine Möbel selbst“, berichtet Nico. Auch den Umbau eines VW-Busses zum Sport- und Reisemobil habe er selbst in die Hand genommen. „Ich tüftle einfach gerne an eigenen Lösungen.“

Grenzen des Erwartbaren verschieben

Da liegt es nahe, dass er sich auch Teile für sein Triathlon-Fahrrad nach Möglichkeit maßanfertigt. Zuletzt habe er (nach dem Training!) im CAD eine Verpflegungsbox mit Fahrradhalterung konstruiert und im 3D-Druck passend für seine Bedürfnisse gebaut. „Dabei folge ich einfach nur meiner Neugier und der Lust, die Grenzen des Erwartbaren immer ein bisschen weiter zu verschieben“, stellt Nico fest. „Das gefällt mir auch so bei EDAG. In unseren Projekten geht es um die vielen ausgeklügelten Details. Wir beschäftigen uns mit anspruchsvollster Präzisionstechnik. Und das nicht etwa im Format einer Schweizer Uhr, sondern in der Größe eines Autos.“

Aber wie passen diese Begeisterung für den Job und die Leidenschaft für den Triathlon zusammen? Kann es überhaupt gelingen, auf allen Feldern top zu sein, ohne dass unterwegs irgendwo der im Marathon so gefürchtete „Mann mit dem Hammer“ zuschlägt? „Beim Triathlon gibt es wie in herausfordernden Projekten unterwegs immer die Phasen, in denen du dir die Frage stellst: Warum tust du dir das überhaupt an? Schaffst du es noch?“, weiß Nico aus eigener Erfahrung. „Solche negativen Gedanken bringen einen nicht weiter. Du musst dir vielmehr positive Ziele setzen und intensiv in dich reinhorchen, welche Kräfte du mobilisieren musst und wo du sie sinnvollerweise einteilst.“

Kein Leben nur im Tunnel

Triathleten sind Verrückte, die nichts anderes im Sinn haben als vor sich hin zu trainieren, perfektionistisch und fokussiert zu sein. Diesem verbreiteten Klischee mag Nico nicht entsprechen: „Ein Leben nur im Tunnel wäre nichts für mich. Mir geht es darum, bei meinem Sport Spaß zu haben. Die Limits setzt mir dabei mein Körpergefühl.“

Wenn in Projekthochphasen eine 50-Stunde-Woche anstehe, könne der Körper nicht gleichzeitig für hohe Belastungen im Sport bereit sein. „Da werde ich dann nichts erzwingen und schon gar nicht meine Gesundheit riskieren“, erklärt Nico. „Mir geht es grundsätzlich darum, meine Ziele spielerisch zu erreichen, mich dabei auch maximal zu fordern – allerdings immer nur im Rahmen der gerade gegebenen Möglichkeiten.“

Keine Lust auf Abhängigkeit

Deswegen mag er sich als Sportler auch nicht vermarkten lassen. „Professionelles Sponsoring interessiert mich nicht. Ich habe keine Lust, abhängig zu sein, sondern will immer die Freiheit haben, das zu tun, was ich möchte. Nämlich Sport machen, der mich erfüllt und eins werden lässt mit der Natur“, sagt Nico und klingt dabei sehr entschieden.

Und wo wir schon bei den Klischees sind: Triathleten sind nicht nur verrückt, sondern mehr noch: verrückte Einzelgänger, die an den Wechselstationen und im Zieleinlauf auch gern mal die Ellenbogen ausfahren. „Für mich geht es im Sport wie im Job immer um Teamplay“, hält Nico dagegen. „Auch individuelle Bestleistungen haben am Ende doch immer viele Väter und Mütter.“ Kürzlich sei er mit Freunden aus dem Sport in vier Tagen über die Alpen von Oberstdorf nach Meran gerannt. Mit nur zwei Kilo Gepäck im Rucksack. „Da muss man sich aufeinander verlassen können und jeder für die Gruppe Verantwortung übernehmen, alleine schafft man das nicht. Aus Rücksicht wächst die Kraft der Gemeinsamkeit. Und die kann Berge versetzen“, sagt Nico.

Von solchen Erfahrungen profitiert er auch in der Projektarbeit. „Nur gemeinsam kommen wir zum Erfolg. Das ist mein Mantra. Wenn jeder sein Bestes gibt, wird es was“, weiß Nico. „Wenn es wie bei der Alpenüberquerung beim Aufstieg auf den Pass mal schwierig wird, bringt es nichts, Druck aufzubauen, da müssen wir vielmehr gemeinsam eine Lösung finden, wie wir die Aufgabe meistern können. Daraufhin dann alles aus sich herauszuholen, macht Spaß und bringt große Erfüllung.“ Im Ziel, das wisse er als „Ironman“, werden die Strapazen belohnt. Selbst wenn man nicht ganz oben auf dem Treppchen stehe.

Dirk

Teamleiter
Ausbildung

Ein Ausbilder, der rockt

Bei EDAG: seit 1982

Ein Ausbilder, der rockt

Wenn’s richtig vibriert, ihm der Wind um die Nase weht und die Welt an ihm vorbeifliegt, ist Dirk ganz in seinem Element: Rock’n Roll in der Rhön. Dass er nach dem Cruisen bei seiner alten Softtail Harley Davidson erst einmal die eine oder andere Schraube nachziehen muss, stört ihn nicht weiter. Im Gegenteil. Dirk ist ein Schrauber aus Leidenschaft. „Es gibt wohl kaum ein Teil bei meiner Maschine, das ich in den letzten 12 Jahren nicht angefasst hätte“, sagt er. „Weil’s Spaß macht.“ Und weil er zutiefst davon überzeugt ist, dass beim Motorradfahren Hubraum durch nichts zu ersetzen ist „außer durch mehr Hubraum“, hat seine 1.340 Kubik-Harley gleich mal zu einer 2-Liter-Maschine gemacht. Damit cruist er, so oft es geht, über die Panaroma-Routen der Rhön. Bei schönem Wetter, am liebsten im fünften Gang und in aller Gemütsruhe.

Immer Vollgas

Dirk liebt es nicht nur bei seinem Bike, technischen Dingen auf den Grund zu gehen. Und zwar solange, bis er alles wirklich bis ins letzte Detail versteht. Das hatte ihn vor bald 38 Jahren zu EDAG gebracht, wo er eine Ausbildung zum Technischen Zeichner begann. „Mit weniger als 100 Mitarbeitern war das damals noch alles sehr überschaubar und familiär“, erinnert er sich. „Familiär sogar im doppelten Sinne“, fügt er hinzu, „entfernter Verwandter Horst Eckart hatte das Unternehmen gegründet.“ Nicht dass er wegen der verwandtschaftlichen Beziehung eine etwas „ruhigere Kugel“ hätte schieben können. Im Gegenteil. „Wir haben alle richtig viel gearbeitet. Unsere Termine konnten wir immer einhalten. Wenn’s sein musste auch mal mit Nachtschichten“, sagt er. Dabei klingt ein bisschen Stolz mit. „Und wie wir gearbeitet haben, so haben wir dann aber auch gefeiert. Immer mit Vollgas“, fügt er lachend hinzu.

Die Neugier und die Lust am aktiven Gestalten und Schaffen, hat Dirk von seiner Arbeit am Reißbrett später in die Wissens- und Erfahrungsvermittlung für die Auszubildenden übertragen. Bei EDAG PS gehörte er zu den ersten, die ein eigenes Ausbildungskonzept für das Unternehmen entwarfen und dies im Unterricht und Azubi-Coaching umsetzten. Es ging um Konstruktionslehre, Technische Kommunikation und alle Fertigkeiten rund ums CAD-Konstruieren.

Von 6 auf 152

„Mit sechs Azubis hat es damals bei der EDAG PS begonnen, heute sind es 152 Auszubildende und dual Studierende. Es begeistert mich zu sehen, wie sich die jungen Leute entwickeln und was aus ihnen wird“, sagt der Ausbilder. Es gebe dabei immer die „Selbstläufer“, die ihre Ausbildung mit großer Leichtigkeit absolvierten, andere hingegen bräuchten etwas Unterstützung. „Wenn jemand die Ausbildung abbricht, berührt mich das persönlich“, sagt Dirk mit einem Augenzwinkern. Ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis zu seinen Azubis und Studierenden ist ihm ein echtes Herzensanliegen. „Dass auf dem Ausbildungsweg nicht allen alles in den Schoß fällt, ist doch logisch. Da unterstütze ich gerne, wo ich kann. Ich bin schließlich selbst mal jung gewesen, war nie ein Streber und kenne all die Höhen und Tiefen auf einem Ausbildungsweg.“

Deswegen kommt es für ihn auch überhaupt nicht infrage, als Oberlehrer und Besserwisser in Erscheinung zu treten. „Mir ist der persönliche Kontakt wichtig. Ich setze Vertrauen in meine Azubis und Studenten und umgekehrt können sie sich auf mich verlassen und sich mir anvertrauen, wenn die Dinge einmal nicht so laufen, wie geplant.“ Das sei wie in einer Familie, erklärt der Vater von zwei erwachsenen Kindern.

Stolz an der Wall of Fame

Im Erdgeschoss des EDAG-Schulungs- und Seminargebäudes ist die Wand im langen Flur gepflastert mit Auszeichnungen. Die IHK, Hochschulen und andere Bildungsinstitutionen attestieren an dieser Wall of Fame den EDAG-Absolventen Top-Leistungen. „Das freut mich sehr und macht uns alle hier ein bisschen stolz“, sagt Dirk. Das heiße aber nicht, dass hier nur die absoluten Überflieger gefragt seien. „Ich freue mich über jeden, der die Abschlussprüfung mit ‚gut’ abschließt. Dann haben wir schon alles erreicht. Wenn’s dann ein ‚sehr gut’ mit Auszeichnung wird, umso besser. Da hat keiner was dagegen.“

Nur nicht überfluten lassen

„Wir haben einen super Nachwuchs, der motiviert ist, lernen will und Lust auf das Mitgestalten der Zukunft hat.“ Die Generation Z, also die um die Jahrtausendwende geborenen jungen Erwachsenen von heute, stünde allerdings auch vor ganz anderen Herausforderungen als vorangegangene Generationen. „Unsere Azubis sind mit dem Internet, mit Smartphone, Vernetzung und der permanenten Online-Verfügbarkeit nicht nur ihrer Community, sondern auch des ganzen Wissens der Welt groß geworden. Es ist ein Riesenvorteil, die Digitalisierung gewissermaßen mit der Muttermilch aufgesogen zu haben. Andererseits gehen die Digital Natives in der ganzen Flut an Informationen förmlich unter“, stellt Dirk fest.

Auf die Basics kommt es an

Es reiche beispielsweise nicht aus, dass die Generation Z sehr genau Bescheid wisse, wie sie neueste Erkenntnisse schnell mal „googlen“ oder sich über ein Youtube-Tutorial schlau machen könne. „Ein paar grundlegende Dinge musst du einfach intus haben: Mathematische Grundkenntnisse wie Kopfrechnen oder einen Dreisatz, Sicherheit im Umgang mit der deutschen Sprache oder gute Manieren und einen achtsamen und wertschätzenden Umgang mit Menschen in der eigenen Umgebung“, sagt Dirk. Dass am Gymnasium jetzt teilweise wieder das G9 an die Stelle des G8 rücke, ginge dabei in die richtige Richtung.

Er wundere sich über manche „durchaus vermeidbare Fehlentwicklung“ im Bildungssystem, schaue aber weiter optimistisch auf seine Schützlinge. Im vergangenen September habe EDAG PS für ein Wochenende alle seine neuen Azubis und Studierenden zu einem „Education Tuning“ nach Fulda geholt. In der Jugendherberge Gersfeld gab es Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen und zum lockeren Gespräch mit dem Geschäftsführer der EDAG PS. „Das kam super bei den Teilnehmern an“, sagt Dirk. Am Abend hätte er eigentlich erwartet, dass sich alle mit ihren Handys zurückziehen und die Lage im Netz checken. „Die haben Gesellschaftsspiele ausgepackt und bis weit nach Mitternacht höchsten Spaß miteinander gehabt. Ganz analog“, berichtet der Ausbilder. „Ich bin absolut sicher, dass unsere Auszubildenden noch für ganz andere Überraschungen gut sind. Um ihre Zukunft ist mir nicht bange.“

Esmail

Data Scientist

Der Ringer in der Big-Data-Arena

Bei EDAG: seit 2017

Der Ringer in der Big-Data-Arena

Esmaeil ist die Ruhe selbst. Ein netter Zeitgenosse. Zurückhaltend und ausgesprochen höflich. Kaum vorstellbar, dass er einen jederzeit mit ein paar blitzartigen Hand- und Fußbewegungen aufs Kreuz legen könnte. Esmaeil ist in Kermānschāh groß geworden, einer Millionenstadt im Nordwesten des Iran, wo mit die besten Ringer der Welt herkommen. „Zehn Jahre habe ich Griechisch-Römisch trainiert, Seite an Seite mit ganz Großen dieses Sports“, sagt Esmaeil. „Aber das ist lange her.“ Mindestens genauso wichtig wie der Kampf Mann gegen Mann auf der Matte sei ihm schon immer das Ringen mit den Zahlen und Algorithmen gewesen.

Von der Bank in den Hörsaal

In Kermanshah und Teheran studierte Esmaeil Software Engineering und machte 2005 seinen Abschluss als Master of IT-Engineering. Elf Jahre arbeitete er danach in einer Bank, bis er sich 2016 entschied, akademisch weiterzumachen und in Deutschland zu promovieren. Ausgestattet mit einer Blue Card zog er mit Frau und Kind nach Nordrhein-Westfalen, um an der Uni Siegen, einer interdisziplinär ausgerichteten Forschungsuniversität, seine Doktorarbeit zu schreiben. „Endlich wieder eine neue, große Herausforderung“, freute er sich.

„Doch die Arbeit ist ein bisschen ins Stocken geraten, seit ich 2017 bei EDAG PS angefangen habe“, sagt er und scheint darüber aber nicht wirklich unglücklich zu sein. „Ich bin ein echter Autofan und will nicht nur im stillen Kämmerlein vor mich hinforschen, sondern auch praktisch für die Industrie arbeiten und im Team neue Ideen verwirklichen“, beschreibt er sein Dilemma. Umso mehr freue er sich, dass sein Professor ihm großes Verständnis entgegenbracht und signalisiert hätte, dass ihm der akademische Weg weiter offenstehe. Auch nebenberuflich.

Ein Schreck namens München

Als er sich bei EDAG bewarb, hatte er insgeheim damit gerechnet, nach Fulda zu kommen. Das war nicht so weit weg von seiner Doktorarbeit in Siegen und schien ihm zudem auch übersichtlich genug, um dort schnell mit der Familie heimisch zu werden. „Als es dann aber hieß, ich solle nicht in Fulda, sondern gleich als Data Scientist bei EDAG PS in Garching bei München anfangen, ist mir dann doch ein bisschen blümerant geworden. München klang irgendwie für mich zu groß, zu teuer und zu weit weg.“ Doch das habe sich nicht bewahrheitet. „Zum Glück“, freut er sich.

„Im Production IT-Department von EDAG-PS schauen wir nur nach vorn und halten den Fuß immer auf dem Gaspedal“, stellt Esmaeil fest. Besonders fasziniere ihn, über Datenverarbeitung die Automatisierung in der Produktion und in den Prozessen weiterzuentwickeln. „Darin steckt viel Potenzial für die Zukunft“, ist er überzeugt.

Perfektionistenweisheit: wenn schon, dann richtig

Leicht macht er es sich deswegen aber nicht. Denn Esmaeil ist Perfektionist. „Wenn ich etwas mache, dann richtig“, sagt er. Deswegen spiele er auch nicht mehr wie früher die Tanbur, die im Orient verbreitete Langhalslaute. „Dazu müsste ich einfach viel mehr Zeit zum Üben haben. Und Mitspieler habe ich gerade auch nicht.“

Seinen ganzen Ehrgeiz steckt er da schon lieber in seine Arbeit. Als Data Scientist in der automotive Technologieentwicklung sieht er sich vor großen Herausforderungen. Im Zeitalter der Digitalisierung und computergesteuerter Produktionen und Prozesse ändere sich alle sechs Monate fast alles. „Wir sind deswegen in der IT permanent gefordert, uns immer auf den neuesten Stand zu bringen und unsere Systeme und Ressourcen zu checken. Das ist wie im Ringkampf. Du musst immer hellwach und reaktionsschnell sein. Wer schläft, hat schon verloren.“

Wer schläft verliert

Die Regel sei für Data Scientists dabei ganz einfach: Was du noch nicht weißt, musst du so schnell wie möglich lernen. „Dieses ‚Naturgesetz’ der digitalen Transformation ist überlebenswichtig.“ Der Sportler in ihm finde diese Herausforderung super. „Wir sind hier in Garching ein tolles Team, bei dem Software-Entwickler und Data Scientists Hand in Hand mit Ingenieuren und Technikern zusammenarbeiten. „Alles ist immer interdisziplinär mit Blick über den eigenen Tellerrand.“ Darin sieht er auch die große Stärke bei EDAG. „Wir haben alle Skills im eigenen Haus oder in den verschiedenen Firmenteilen. Deswegen können wir auch unheimlich schnell und umsetzungsstark agieren.“

Auf diese Weise parallel an unterschiedlichen Projekten zu arbeiten, ist für Esmaeil kein Problem. „Im Gegenteil. Ich mag das sehr.“ Deswegen beteiligt er sich in seiner Freizeit gerne auch einmal an Hackathons. Dazu laden Firmen der unterschiedlichsten Branchen jeweils 100 und mehr IT-Spezialisten aus allen Himmelsrichtungen ein, gemeinsam in einem spielerischen Design-Sprint-Event unter hohem Zeitdruck in 48 Stunden kollaborativ eine Software- oder Hardware-Lösung für ein Problem zu finden. Viermal hat Esmaeil schon bei einem Hackathon mitgemacht und mit einem EDAG Team zweimal Platz eins und einmal Platz drei belegt.

Da war doch noch was

Nur in einem Wettkampf, das weiß der Perfektionist, müsste er eigentlich noch mehr trainieren. Das werde ihm zuhause immer wieder vor Augen geführt. „Meine Tochter spricht drei Sprachen, Kurdisch, Persisch und Deutsch. Alle perfekt. Und gerne auch mal alle durcheinander“, sagt Esmaeil. Das erinnere ihn immer wieder daran, dass er seine eigenen Deutschkenntnisse eigentlich noch weiter aufpolieren müsste. Allerdings fehle ihm dazu etwas der Leidensdruck, weil in der IT-Szene ohnehin meist nur in Englisch kommuniziert würde. Doch ein Problem zu lösen, indem er ihm aus dem Weg geht, kommt für den ehrgeizigen Esmaeil dann doch nicht infrage. „Ich bin beim Goethe-Institut für den Sprachkurs eingeschrieben. Auch wenn die verflixte Grammatik wirklich schwer ist. Das schaffe ich schon.“ Na klar. Für Esmaeil, den Ringer, gilt auch bei den alltäglichen Herausforderungen des Lebens: Angriff ist die beste Verteidigung.

Filip

Abteilung Motorrad

Der Superbiker

Bei EDAG: seit 2017

Der Superbiker

Es war sein großes Vorbild, das ihn schon früh auf die Überholspur gebracht hatte. Filips Vater Richard hatte es in seinen jungen Jahren selbst immer eilig gehabt, war aktiver Radrennfahrer und Skilangläufer. Nicht so einer von der gemütlichen Art, sondern ein waschechter Doppelweltmeister bei den „Masters“ über 15 Kilometer klassisch und in der Staffel. Und zudem noch Europameister auf Rollski, die er selbst gebaut hatte.

Der kleine Filip wurde in Raubling im Landkreis Rosenheim im elterlichen Sportgeschäft groß. Kein Wunder, dass da der eigene sportliche Traum auf einen geradezu idealen Nährboden traf. „Mit 12 habe ich mir von meinem Ersparten eine 125er-Enduro gekauft und bin damit heimlich auf einer nahegelegenen Panzerwiese rumgesaust“, erinnert er sich. Als er dann mit 16 endlich den Führerschein machen konnte, meinte der Fahrlehrer zu seinem Vater: „Der Bua gehört auf die Rennstrecke.“

Der Fahrlehrer sollte recht behalten

Da hatte der Fahrerlehrer offenkundig ein gutes Gespür gehabt. Auch wenn sich Filip bereits als alpiner Skirennläufer, BMX Racer, Skilangläufer- und Radsportler erfolgreich ausprobieren konnte, habe er doch immer vom Motorradrennfahren geträumt. „Über meine Ausbildung zum Zweiradmechaniker bin ich immer tiefer in die Motorradwelt eingetaucht. Das hat mich nicht mehr losgelassen“, erklärt Filip.

Das habe auch der Vater gespürt. Er meldete den „Bua“ kurzerhand zu einer Sichtung bei RedBull an. „Da saß ich zum ersten Mal auf einem Straßenmotorrad. Ein super Gefühl“, sagt Filip. Und startete durch. Von den etwa 700 Teilnehmern seien etwa 15 genommen worden, die dann im RedBull Rookies Cup des ADAC starten durften. „Das war für mich das Allergrößte, auch wenn’s mich gleich beim ersten Rennen gescheit hingehauen hatte und mir der Schädel nach einer Gehirnerschütterung ordentlich brummte.“ Doch das war ihm egal. Nach einem Jahr war er zweitbester Neueinsteiger in dieser Rennserie.

Nur Mutter machte sich Sorgen

Vater Richard war begeistert, seine Mutter hingegen deutlich weniger euphorisch: „Es gibt doch so schöne Dinge die du in deiner Freizeit tun kannst: ein bisschen Sport, Kochen oder Musikmachen“, habe sie gemeint. Aber am Ende hätte sie dann doch seine Entscheidung fürs Motorradfahren zwar nicht befürwortet, aber doch akzeptiert.

Dass Rennfahren immer auch gefährlich ist, weiß Filip. „Ich kann die Risiken aber sehr gut einschätzen und kenne meine Grenzen.“ Seine bislang schwerste Verletzung, einen Oberschenkelhalsbruch, habe er sich deswegen 2016 nicht auf der Rennstrecke, sondern beim BMX-Fahren zugezogen. „Dumm gelaufen“, sagt er und zuckt mit den Schultern. In der Folge habe er eine künstliche Hüfte bekommen, könne damit aber wieder ohne Einschränkungen Motorradfahren.

Mit Vollgas auf der Siegerstraße

Seine Rennsport-Karriere führte Filip so über den YAMAHA Cup, wo er auf einer R6 2008 die Gesamtwertung gewann, bis in die 1000er-Superbike-Klasse, in der er mit seinem BMW-Team GERT 56 antrat. Die Erfolge ließen nicht auf sich warten: Sieg beim Deutschen Meisterschaftslauf 2011 mit Streckenrekord am Salzburgring oder der Klassensieg in der Open Kategorie beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans.

Neben den Rennen hat Filip immer auch in seinem Beruf Vollgas gegeben. Unter anderem auf der Meisterschule für Motorrad und Fahrradmechaniker. „Das macht man neben dem Rennsport nicht mal eben mit links“, hätten ihn Freunde gewarnt. „I scho“, habe Filip ihnen geantwortet. „I bin Linkshänder.“ Den Meisterbrief hat er längst in der Tasche.

Erfahrung, die wie gerufen kommt

In seiner Superbike-Zeit hatte Filip Marc kennengelernt. Dieser leitet seit 2012 das stetig wachsende Entwicklerteam, das sich bei EDAG um das Thema Motorrad kümmert. Da kamen ihm 2017 die ganze Erfahrung und das technischen Know-how von Filip wie gerufen. Gerade wenn es um neueste Entwicklungen für BMW geht.

„Wir arbeiten zur Zeit mit Hochdruck an Bremsen und Regelsystemen“, berichtet Filip. Das heißt für den Racer neben der Arbeit im Office und in den Entwicklungslabors vor allem viel aktives Testen: „Wir wollen auf den Teststrecken herausfinden, wie es um das ABS und das Traktionsverhalten auf unterschiedlichen Untergründen bestellt ist. Es geht schließlich um die Sicherheit und Robustheit unserer Systeme.“

Ein Coach, der aufs WM-Podest rast

Eigentlich hatte Filip schon mit seiner aktiven Rennkarriere abgeschlossen. An der Strecke wollte er nur noch als Riding Coach unterwegs sein. Mit dem German Endurance Racing Team ging er so zuletzt bei der Langstrecken-Weltmeisterschaft in der Superstock-Wertung an den Start. Doch dann verletzte sich mitten im Rennen einer der drei Fahrer an der Hand. Filip musste einspringen und fuhr das Team prompt aufs Podest. „Langstreckensport ist Mannschaftssport“, sagt Filip. „Da geht es nicht nur darum, den Fahrer anzuhimmeln und nach acht Stunden gemütlich nach Hause zu gehen. Im Team muss man bei einem 24-Stunden-Rennen einfach durchziehen. Dabei sind alle gleich wichtig bis hin zum Koch. Und wenn ich fit bin, dann fahre ich eben auch. Es geht schließlich um unser aller Erfolg.“ Dies sei für Filip allerdings alles andere als eine Zumutung, „sondern purer Genuss“.

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